Kinder können ab etwa 2 Jahren bei kleinen Aufgaben im Haushalt mitmachen, mit etwa 4 Jahren den Tisch decken und im Grundschulalter feste eigene Aufgaben übernehmen. Die Tabelle unten zeigt Richtwerte von 2 bis 16+. Was dein Kind wirklich kann, zählt mehr als sein Geburtstag, und bei Herd, Reinigern und scharfen Messern gelten eigene Regeln.
Ab wann können Kinder im Haushalt helfen?
Früher, als die meisten denken. Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik nennt kleine Aufgaben ab 2 Jahren. Ein anderer Beitrag dort empfiehlt, Kinder ab etwa 3 bis 4 Jahren einzubeziehen. Die Quellen liegen also ein Jahr auseinander, und genau so solltest du jede Altersangabe lesen: als grobe Orientierung, nicht als Prüfung.
Nebenbei steht die Mithilfe sogar im Gesetz. Nach § 1619 BGB helfen Kinder, die bei ihren Eltern leben und von ihnen erzogen oder unterhalten werden, im Haushalt mit, so wie es ihren Kräften entspricht. Das Projekt „Recht Kinderleicht“ der Universität Potsdam erklärt es so: Wie viel es sein darf, hängt vom Alter ab, vom Können, von Schule und Hausaufgaben und davon, ob noch Zeit für Freizeit bleibt. Das ist keine Rechtsberatung, und als Argument am Abendbrottisch taugt der Paragraf auch wenig.
Haushaltsaufgaben für Kinder nach Alter: die Tabelle
Bis etwa 12 Jahre stützt sich die Tabelle auf die Quellen am Ende dieses Artikels, die Einteilung in Altersstufen und ein paar Ergänzungen sind von uns. Ab 13 ist es unsere eigene Faustregel, weil wir dafür keine belastbare Altersliste gefunden haben. Die Spalte „Mit dir zusammen“ heißt: Du bist dabei und schaust hin.
| Alter (Richtwert) | Das klappt oft | Mit dir zusammen | Noch nicht |
|---|---|---|---|
| 2 bis 3 Jahre | Sockenpaare suchen, Wäsche in die Maschine stecken, nasse Wäsche anreichen, eigenen Teller abräumen | Beim Tischdecken helfen, abtrocknen, Gemüse waschen, ab 3 eine Banane mit dem Buttermesser schneiden | Alles Heiße, Reiniger, Waschmittel-Caps, scharfe Messer |
| 4 bis 5 Jahre | Spielzeug aufräumen, Tisch decken, eigenes Geschirr zur Spüle bringen, Blumen gießen, Staub wischen | Wäsche falten, Besteck ausräumen (scharfe Messer vorher raus), Eier aufschlagen (danach Hände waschen, nichts Rohes naschen), ab 5 Handrührgerät mit beiden Händen am Griff | Alles Heiße, Reiniger, Waschmittel-Caps, scharfe Messer |
| 6 bis 7 Jahre | Bett machen, Wäsche in den Korb, Tisch decken und abräumen, Zimmer aufräumen, Müll wegbringen | Staubsaugen, Schuhe putzen, kleine Einkäufe, Gurke und Paprika mit dem Buttermesser schneiden | Herd, Ofen, heiße Töpfe, Reiniger |
| 8 bis 9 Jahre | Staubsaugen, Schuhe putzen, kleine Einkäufe allein, einfache kalte Mahlzeit | Erste Schritte an Herd und Ofen, du stehst daneben | Allein kochen, Reiniger |
| 10 bis 12 Jahre | Geschirrspüler ein- und ausräumen, einkaufen gehen, kleine Mahlzeiten, Fenster von innen putzen, nur geschlossen und ohne Klettern (Ergebnis wird anders, das ist okay) | Kochen am Herd, Waschmaschine bedienen, kurz auf jüngere Geschwister aufpassen | Längere Betreuung von Geschwistern, Abfluss- und Chlorreiniger |
| 13 bis 15 Jahre (Faustregel) | Eigene Wäsche, Müll komplett, einmal pro Woche kochen, Wocheneinkauf nach Liste | Bad putzen mit Reiniger nach Packungshinweis, Einkaufsbudget planen | Abfluss- und Chlorreiniger, Mittel mischen |
| 16+ (Faustregel) | Einen ganzen Bereich verantworten, etwa Küche oder Wäsche, auch das Dran-Denken | Haushaltsgeld, Rechnungen, kleine Reparaturen | Mittel mischen bleibt für alle tabu |
Eine gute Probe für 16+: Würde dein Kind eine Woche allein klarkommen? Das Familienhandbuch nennt als Ziel Können bei Reinigung, Wäsche, Kochen, Pflanzen- und Tierpflege und im Umgang mit Geld. Was davon fehlt, ist die nächste Aufgabe.
Du darfst die Tabelle gern verlinken, ausdrucken und an den Kühlschrank hängen. Wer daraus einen Plan für alle machen will: Unsere Putzplan-Vorlage und die Anleitung Putzplan erstellen helfen beim Verteilen.
Sicherheit: Herd, Messer, Reiniger
Hier hören die Richtwerte auf, verhandelbar zu sein. Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder gibt klare Hinweise.
Herd und Heißes. Heiße Töpfe, Pfannen und der Backofen sind laut BAG bis etwa zum achten Lebensjahr tabu. Das ist kein übertriebener Schutz: Rund 30.000 Kinder kommen in Deutschland pro Jahr wegen Verbrennungen oder Verbrühungen zum Arzt, und eine einzige Tasse heißer Kaffee oder Tee kann laut BAG 30 Prozent der Haut eines Kleinkinds schädigen. Koche auf den hinteren Platten, dreh Stiele nach hinten, und zeig älteren Kindern früh, dass brennendes Fett mit einem Deckel erstickt wird, niemals mit Wasser.
Messer. Ab drei Jahren kann ein Kind mit dem Plastik- oder Buttermesser an weichen Sachen wie Banane üben, immer zusammen mit dir. Die Regel lautet: vom Körper weg schneiden, beide Hände im Blick. Scharfe Messer liegen nicht offen herum und kommen mit der Spitze nach unten in den Besteckkorb. Ab wann ein echtes Küchenmesser passt, sagen die Quellen nicht pauschal. Unsere Faustregel: wenn dein Kind die Regeln beim stumpfen Messer ohne Erinnerung einhält.
Reiniger. Die BAG empfiehlt: Wasch- und Reinigungsmittel außer Reichweite lagern, nie in Trinkflaschen oder Marmeladengläser umfüllen und Kindern erklären, dass die Mittel für sie tabu sind. Waschmittel-Caps kommen sofort in die Trommel. Abfluss- und Chlorreiniger nie mit anderen Mitteln mischen, dabei kann giftiges Chlorgas entstehen. Kleine Kinder putzen deshalb mit Lappen und Wasser, auch die Sprühflasche bekommt nur Wasser. Dass Jugendliche mit Reinigern arbeiten, sobald sie die Packungshinweise lesen und befolgen, ist unsere Faustregel, keine offizielle Altersgrenze.
Wenn doch etwas passiert. Bei Verdacht auf Vergiftung ruhig bleiben, das Kind beruhigen und den Giftnotruf anrufen, zum Beispiel Berlin 030 19240, Bonn 0228 19240 oder München 089 19240. Bei Bewusstlosigkeit oder Krämpfen sofort die 112.
Auf Geschwister aufpassen. Die Quelle spricht von „kurzfristig“. Wie lange das bei euch geht, entscheidest du, nicht die Tabelle.
Wer denkt dran? Ab jetzt: alle.
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Wie du es ohne Streit einführst
Ganz ohne Gemecker wird es nicht gehen. Mit diesen Regeln wird es aber deutlich weniger.
- Gemeinsam verteilen. Setzt euch zusammen und klärt, wer was macht und wie oft. Kinder sollen laut Elternratgeber der Psychologin Britta Zander mitreden dürfen und möglichst selbst entscheiden, wann sie ihre Aufgabe erledigen. Auch die Uni Potsdam hält Besprechen für besser als Anweisen.
- Echte Aufgaben geben. Kinder merken, ob ihre Hilfe gebraucht wird oder ob du sie nur beschäftigst. Beschäftigungstherapie erzeugt Widerstand.
- Klein anfangen. Wiederkehrend und leicht machbar ist der beste Einstieg. Unsere Faustregel: erst eine Aufgabe, die zweite kommt, wenn die erste läuft.
- Unbeliebtes rotieren lassen. Mülleimer und Klo reihum, damit niemand dauerhaft den Mist hat.
- Nicht nachputzen. Korrigiere nicht ständig und erwarte kein perfektes Ergebnis, rät das Familienhandbuch. Ein von einem Zehnjährigen geputztes Fenster sieht anders aus. Es ist trotzdem geputzt.
- Nicht vergleichen. Geschwister nicht gegeneinander messen, nur mit dem, was das Kind vorher konnte.
- Bei Älteren aufschreiben. Konkrete, auch schriftliche Absprachen verhindern Diskussionen. Was passiert, wenn etwas liegen bleibt, besprecht ihr vorher gemeinsam.
- Selbst Vorbild sein. Wer ständig über Hausarbeit stöhnt, bekommt Kinder, die darüber stöhnen.
Am Anfang erinnerst du noch, später sollen sie von allein loslegen. Und Danke sagen ist erlaubt, auch wenn es selbstverständlich sein sollte. Feste Aufgaben, Ämtchen genannt, funktionieren am besten, wenn sie für alle sichtbar sind, etwa am Kalender in der Küche. Wer lieber digital plant: hauszettl kann wiederkehrende Aufgaben mit Erinnerung.
Taschengeld für Hausarbeit: ja oder nein?
Für normale Mithilfe: nein. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) sagt in seinen Empfehlungen, wie sie das Kreisjugendamt Ebersberg zitiert, klar, dass altersgemäße Mithilfe zum Familienleben gehört und nicht bezahlt wird. Das Familienhandbuch warnt vor der falschen Botschaft: Was nicht bezahlt wird, wäre sonst nichts wert.
Umgekehrt gilt das auch. Taschengeld ist kein Erziehungsmittel. Es wird nicht gekürzt, weil der Müll stehen blieb, und nicht erhöht, weil das Zimmer glänzt. Es soll regelmäßig und unabhängig vom Verhalten kommen, schreibt das DJI.
Für Sonderjobs, die über das Normale hinausgehen, ist laut DJI-Empfehlung ein kleiner Lohn in Ordnung, etwa für umfangreiche Gartenarbeit oder das Auto putzen.
Zur Orientierung hier ein Auszug aus der DJI-Taschengeldtabelle 2024. Das sind Orientierungswerte, die zu eurem Geldbeutel und zum Kind passen müssen.
| Alter | Taschengeld |
|---|---|
| unter 6 Jahre | 1 bis 2 Euro pro Woche |
| 6 Jahre | 2 bis 2,50 Euro pro Woche |
| 8 Jahre | 3 bis 3,50 Euro pro Woche |
| 10 Jahre | 20 bis 22,50 Euro pro Monat |
| 12 Jahre | 25 bis 27,50 Euro pro Monat |
| 14 Jahre | 30 bis 40 Euro pro Monat |
| 16 Jahre | 50 bis 60 Euro pro Monat |
Keine Rollenklischees: Das Klo kennt kein Geschlecht
Mädchen kochen, Jungen tragen den Müll raus: So schnell ist es passiert, oft ohne dass jemand es so beschlossen hat. In den Zahlen sieht man es. Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft von 2017 zeigt für die Zeitverwendungserhebung 2012/13: Von den 15- bis 17-jährigen Mädchen halfen 45,7 Prozent mehr als 45 Minuten täglich im Haushalt, von den Jungen 29,5 Prozent. Unter 15 Minuten oder gar nichts machten 23,1 Prozent der Mädchen und 39,3 Prozent der Jungen. Die Daten sind alt, neuere Zahlen für diese Altersgruppe haben wir nicht gefunden. Der Abstand war damals immerhin kleiner als zehn Jahre zuvor.
Beim Geld gibt es Entwarnung: Laut DIW Berlin bekommen Mädchen und Jungen in Deutschland im Schnitt gleich viel Taschengeld.
Was hilft, ist schlicht:
- Alle Aufgaben rotieren, auch die, die „jemandem besser liegen“.
- Keine Sätze wie „Hilf mal deiner Mutter“. Es ist auch der Haushalt des Kindes.
- Schau, wer bei euch das Bad putzt und wer an den Zahnarzttermin denkt. Kinder lernen das mit.
- Auch das Dran-Denken verteilen. „Der Müll ist voll“ selbst zu merken, ist die eigentliche Aufgabe.
Wenn es bei den Erwachsenen schon hakt, lies vorher Haushalt fair aufteilen und Mental Load im Haushalt. Kein Kind räumt gern für ein System auf, das schon bei den Großen nicht fair ist.
Quellen
- Ist es sinnvoll, dass Kinder im Haushalt mithelfen?, Beate Weymann, Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik, 2010
- Familiäre Alltagsaufgaben: Kinder sinnvoll einbeziehen, Ev. Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen, Familienhandbuch, 2023
- Kinder helfen im Haushalt, Dr. Britta Zander, abgelegt bei der Stadt Emden, Dateidatum 2006
- Frühjahrsputz mit Kindern, Susanne Pahler, Apotheken Umschau, 2024
- Müssen Kinder im Haushalt helfen?, Projekt Recht Kinderleicht, Universität Potsdam, geändert 2026
- § 1619 BGB, Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet
- Mit Kindern kochen, BAG Mehr Sicherheit für Kinder, 2024
- Messer und Scheren sicher lagern und nutzen, BAG Mehr Sicherheit für Kinder, ohne Jahresangabe
- 10 Tipps für eine kindersichere Küche, BAG Mehr Sicherheit für Kinder, ohne Jahresangabe
- Verbrühung, BAG Mehr Sicherheit für Kinder, ohne Jahresangabe
- Vergiftungsunfälle vermeiden, BAG Mehr Sicherheit für Kinder, ohne Jahresangabe
- Kinderunfälle mit Wasch- und Reinigungsmitteln vermeiden, BAG Mehr Sicherheit für Kinder, 2023
- Die Taschengeldtabelle 2024 (DJI), Kreisjugendamt Ebersberg nach DJI-Empfehlungen, 2025
- Taschengeld, Deutsches Jugendinstitut, ohne Jahresangabe
- Töchter arbeiten weniger im Haushalt mit, Wido Geis, Institut der deutschen Wirtschaft, 2017
- Mädchen und Jungen bekommen in Deutschland gleich viel Taschengeld, DIW Berlin, 2022